
Wir sind soooo bio
Nun sollte man meinen, man wäre an einem Punkt angekommen, an dem man darüber nachdenkt, ob das Konsumverhalten doch nicht so optimal ist, wie man es sich bisher eingebildet hat. Leider ein Trugschluss in vielen Fällen. Was die Werbung über den Geiz einst in die Köpfe brannte, ist allgegenwärtig. Außerdem: was kann denn bitte an dem reichhaltigen Angebot in Discountern und Supermärkten nicht stimmen? So einiges!
Dass nicht jeder den Einkaufskorb, ohne auf den Geldbeutel zu schauen, vollpacken kann ist mir natürlich auch klar. Ich schließe mich da auf keinen Fall aus. Dennoch oder gerade deswegen sollte man mit dem eigenen Konsumverhalten selbstkritischer und sensibler umgehen. Braucht man tatsächlich Tomaten oder gar Erdbeeren im Dezember? Sind Chiasamen im täglichen Müsli wirklich so notwendig? Muss es so oft eine Ananas aus Costa Rica sein?
Abgesehen von Preisdumping, der Ausbeutung der Plantagenarbeiter und des Einflusses auf den eigenen ökologischen Fußabdruck, werden konventionell angebaute Lebensmittel massiv mit Pestiziden behandelt. U.a. bei Trauben, Paprika, Tee, Auberginen oder Mangos wird dabei besonders oft die Höchstgrenze der zulässigen Belastung überschritten.
Das Erschreckende ist, dass Teile der Schadstoffe auch auf Bioprodukten zu finden ist. Nicht, weil die Bauern hier geschummelt haben, sondern weil der Einsatz der Giftstoffe auf konventionellen Feldern auch in die Umgebung (und das über mehrere Kilometer!) abgegeben werden.
Warum nehmen wir das wissend in Kauf? Jeder kann sich ausmalen, welche Folgen es hat, dauerhaft Giftstoffe zu konsumieren. Wieso interessiert es nicht und man kauft diese Dinge sorglos weiter?
Die Tatsache, dass nachhaltig und biologisch erzeugte Produkte teurer sind ist, wie bereits gesagt, nicht von der Hand zu weisen. Streng genommen ist das auch gut so. In der freien Arbeitswelt möchte jeder entsprechend seiner Leistung gut bezahlt werden, so muss es auch bei Lebensmitteln und Verbrauchsartikeln sein. Ein höherer Preis kann zu dem auch sehr sensibilisierend wirken. Man steht vor dem Regal und fragt sich, ob man das Produkt wirklich braucht. Im Discounter zum geringeren Preis würde man das sicher nicht machen.
In den letzten 10 Jahren hat sich mein Konsumverhalten radikal geändert. Ich bin vom Tiefkühlpizza-Junkie zum Selbstkocher mutiert. Das Beschäftigen mit einem Grundbedürfnis brachte mich auf den Boden der Realität zurück. Lebensmittel heißen nicht ohne Grund so. Sie sind die Mittel, die uns leben lassen. Um so wichtiger ist es, sie sorgfältig auszuwählen, statt sie stumpf zu konsumieren.
Die Entscheidung für „bio“ ist also eigentlich nur die Rückbesinnung zum Notwendigen. Nur wenn wir nachhaltig mit den Ressourcen unserer Erde umgehen, können wir ein gutes Leben schaffen und dazu gehört auch das der nach uns kommenden Generationen, die ebenfalls ein Recht auf eine gesunde Umwelt haben…
